Art. 11 Abs. 1 lit. f EEA-RL formuliert ausdrücklich einen Grund für die Versagung der Anerkennung oder Vollstreckung einer eingehenden EEA aufgrund einer Grundrechtsverletzung. Dies ist ein Novum im Vergleich zu anderen europäischen Instrumenten der grenzüberschreitenden justiziellen Zusammenarbeit. Demnach kann der Vollstreckungsstaat die Anerkennung oder Vollstreckung einer EEA verweigern, wenn sie gegen Artikel 6 EUV oder die GRC verstoßen würde. Dieser Versagungsgrund wurde fast wörtlich in das österreichische Umsetzungsgesetz übernommen (§ 55a Abs 1 Z 7 EU-JZG).

Der grundrechtliche Versagungsgrund ist im System der gegenseitigen Anerkennung restriktiv zu handhaben und soll nur bei der begründeten Annahme einer schwerwiegenden Grundrechtsverletzung zur Anwendung kommen. Die Reichweite des Versagungsgrundes ist äußerst umstritten, insbesondere im Hinblick auf die Frage, ob die fehlende Dringlichkeit des Verdachts oder die Unverhältnismäßigkeit der Ermittlungsmaßnahme eine Grundrechtsverletzung im Sinne des Art. 11 Abs. 1 lit. f der EEA-RL darstellen kann.